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Familien-Anlass Bienen und Honig

20. Juni 2004

Bilder: Vroni Schneller
Text: Trix Foppa

Ein spannender Familien-Anlass hat gut 30 Besucher auf den Heinzenberg nach Tschappina gelockt.

Auf dem Land der Bauern-Familie Heidi und Simon Gartmann hat der Imker, Urs Nutt, für ein paar Monate im Sommer einen Teil seiner Bienenvölker platziert. Von dort aus fliegen sie hinauf zu den Alpenrosen am Fusse des Piz Beverins, aus deren Nektar ein köstlicher, hellgoldig zart fliessender Honig entsteht.

An diesem Nachmittag konnte der ganze Ernte- und Verarbeitungsprozess des Honigs beobachtet werden.

Urs Nutt ist ein begeisterter Imker, der sein Hobby sehr aufwändig betreibt. Seine Völker leben nicht in (nur in der Schweiz typischen) Bienenhäuschen, sondern seine Bienen sind in mobilen Styropor-Behältern zuhause. Dank der transportierbaren Völker kann der Imker mehrmals ernten. Wenn im Tal die Hauptblütezeit vorbei ist, verschiebt Nutt seine Bienen in höhere Lagen, wo die Blütezeit später beginnt oder je nach dem ganz andere Pflanzen blühen. Durch die unterschiedliche Herkunft des Nektars, ist der Honig in Farbe, Geschmack und Konsistenz sehr unterschiedlich.

 Durch den "Raucher" werden die Bienen träge.

Wie Nutt berichtet, ist es wichtig, den Bienen immer eine genügende Portion Honig als Futtermittel zurück zu lassen. Denn Bienen fliegen erst ab einer Aussentemperatur von 15 ° aus ihrem Stock. Auch bei Regen fliegen die Bienen nicht aus. Bei lange anhaltender schlechter und kühler Witterung sind die Bienen auf einen ausreichenden Honigvorrat angewiesen; andernfalls würden sie verhungern

Die Ernte ist für die Bienen ein heftiger Angriff. Sie verteidigen ihre Nahrung für die Aufzucht der neuen Bienen. Dies machen sie aber nicht immer gleich intensiv. Deshalb schützt sich der Imker mit entsprechender Kleidung und einem Imkerschleier von den angriffigen Bienen. Mit einem „Raucher“ werden die Bienen ferngehalten, sodass die gefüllten Wabenrahmen entnommen werden können.

 Wabenrahmen

Zur Weiterverarbeitung konnte eine geschlossene Garage auf dem Hof der Familie Gartmann genutzt werden. Denn würde der Honig in der Nähe der Bienen im Freien geschleudert werden, hätte der verströmende Honigduft innert kürzester Zeit eine ganze "Völker-wanderung" der Bienen ausgelöst.

  Abdeckeln der verschlossenen Waben

Zurück zu den Wabenrahmen. Der Honig wird von den Bienen in den verschlossenen Waben gelagert. Dabei wird er mehrmals weiterverarbeitet d. h. reduziert, bis er an die Maden verfüttert wird. Die Wabenrahmen werden dann abgedeckelt. Die geöffneten Waben werden dann in eine Zentrifuge gestellt.

 Wabenrahmen un der Zentrifuge

Durch das schnelle Drehen wird der Honig aus den Waben herausschleudert. Die geleerten Wachswaben werden eingeschmolzen und zum Teil als Grundlage für neue Wabenrahmen verwendet.

Der geerntete Honig kann nun in Gläser abgefüllt werden. Noch stockwarm – warm wie der Bienenstock - kann der erste Honig genascht werden. Ein Gedicht!

 Abfüllen des Honigs in Gläser

Bei einem wunderbaren Zvieri der Bäuerin Heidi Gartmann konnte der frische Honig auf selbstgebackenem Brot probiert werden.

 Zvieri-Buffet

Während des Zvieris hat der Bio-Landwirt, Simon Gartmann über seinen Hof berichtet. Zusammen mit seiner Frau Heidi betreibt er in Tschappina einen Fleischbetrieb. Zur Zeit unseres Besuches war das Vieh mit den Jungtieren bereits auf der Alp. Der leere Stall war für die Kinder das reinste Spiel-Eldorado! Die beiden Kinder der Familie Gartmann hatten ihren ganzen Fahrpark grosszügig zur Verfügung gestellt.

Durch die Mutter-Tierhaltung fällt auf dem Hof von Gartmann keine Milch an, die Kälber trinken sie direkt von den Mutterkühen.

 Simon Gartman (L) und Rainer Riedi

 

 

Zweimal im Jahr wird geschlachtet und das Fleisch direkt vermarktet – teils auf dem Markt in Thusis, teils direkt an Kunden verkauft. Die feinen Trockenfleischprokukte konnten am Buffet probiert werden.

Bestellungen nimmt Frau Gartmann gerne unter Tel. 081/651 58 36 entgegen.

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