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Plantati - Die Ernte

 

Bericht: Trix Foppa

Erinnern Sie sich noch, als das Convivium Bündner Herrschaft voller Stolz im Frühjahr seinen Nachwuchs im Projekt Plantati angekündigt hat? Jetzt ist er da, es sind Kartoffeln!!! und was für welche. der unvergessliche Sommer 2003 hat die Ernte der Plantati-Kartoffeln weitgehend geprägt. Doch dazu etwas später.

Endlich, es ist soweit. Die vielen Gotten und Göttis finden sich zum höchsten Anlass des Projektes Plantati ein – zum Geburtsfest oder doch eher zum Erntefest. Aber nicht nur sie sind alle gekommen, sie haben auch, wie zu allen Anlässen während der Pflanzenpflege, ihre vielen Kinder mitgebracht. Gerade diese haben von der Pflanzung viel profitieren können. Welch eine schöne Gelegenheit, einen ganzen Pflanzen-Zyklus von der Aussaat bis hin zur Ernte mitverfolgen und beobachten zu können.

Um so grösser war denn auch der Eifer bei der Ernte. Bloss keine einzige kostbare Kartoffel in der Erde zurücklassen! So kam dann auch schon bald richtige Goldgräberstimmung unter den Junioren auf – aber auch Ehrgeiz, denn ein kleiner Wettbewerb munterte die Erntenden auf, sich die ausgegrabenen Knollen ganz genau anzusehen.

Neben Schönheit und Rundungen waren auch die Kriterien Gewicht, Grösse, Formen-Originalität und Ertragsmenge für die Beurteilung ausschlaggebend. Bewertet wurde von einer äusserst kompetenten Jury. Diese setzte sich aus Planati-Team-Mitgliedern und vielen Kindern zusammen. Keine leichte Aufgabe für die Juroren, denn unter den vielen lustigen Formen der Kartoffeln, wie eine Laune der Natur sie hat wachsen lassen, war es manchmal richtig schwierig, sich für die eine oder andere zu entscheiden. Doch man konnte in allen Disziplinen die Gewinnerteams ermitteln und ihnen einen Preis für ihren tollen Ernteerfolg überreichen.

Aber nun doch noch zurück zum sachlichen Teil dieser Kartoffelpflanzung, im Speziellen verweisend auf diesen heissen und sehr trockenen Sommer. Franca Ciocco, dipl. Ing. agr. ETHZ, vom Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof, hat das Projekt während der ganzen Zeit aktiv betreut und folgende Beobachtungen gemacht: Auf dem 1.44 Aren grossen Projekt-Feld hätte unter normalen Bedingungen mit einem Ertrag von 600 kg Kartoffeln gerechnet werden können. Effektiv wurden aber nur 386 kg geerntet. Für unseren Ernteerfolg sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Die unterschiedlichen Kartoffelsorten: Frühreife Sorten bilden kleinere Knollen, also geringeren Ertrag, Industrie-Sorten, wie Agria, sind durch das genetisch festgelegte Ertragsniveau dagegen weit ergiebiger. Der Randeffekt: Das heisst, dass die an den Parzellenrand angrenzenden Kartoffelpflanzen einem höheren Schädlingsdruck ausgesetzt sind. Dies war gerade bei jenen Kartoffeln am Feldrand zu beobachten. Sie waren vom Drahtwurmbefall viel stärker betroffen als die übrigen Kartoffeln. Der Drahtwurmbefall kann die Qualität der Knollen so stark senken, dass eine Ernte nur noch als Futtermittel verwendet werden kann. Faktor Mensch: Und weiter über die Ertragsmenge entscheidet auch, wie gründlich gegraben wurde.

Wie Ciocco weiter ausführt, überlagern sich die verschiedenen Faktoren gegenseitig. Weiter bemerkt sie, wie die Reaktion einzelner Sorten auf die extreme Trockenheit war: Als Überlebensstrategie haben die Knollen begonnen, ein zweites Mal auszutreiben und Tochterknollen bzw. neue Triebe zu bilden. Auch diese Entwicklung, so Ciocco, kann im Extremfall zur Deklassierung der Ernte zu Futtermittel führen.

Und hier schliesst sich der Kreis. Mit der Aussaat am 26. April hat das Projekt Plantati angefangen – mit der Ernte am 16. August endete es. Zurück bleiben viele Eindrücke und Erlebnisse, die von einem aussergewöhnlichen Sommer zusätzlich geprägt wurden. 

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