slowfood-grischa Convivium NordBünden

 

Träume sind nicht immer nur Schäume

Text: Rainer Riedi, Lydia Huber und Andreas Aegerter
Bilder: Walter Egli, Burkhard Dolf

 

An einem wunderschönen Sommertag trafen sich 23 Personen, 17 Slow Food Mitglieder (davon 4 Personen vom Convivium Engadin) und 6 Gäste im Bündner Dorf Monstein bei Davos ein. Wir werden von Herrn Ambühl, einem begnadeten Erzähler, durch das Dorf geführt. Monstein? Zwei Kirchen, drei Dorfbrunnen, uralte gepflegte Walserhäuser, 187 liebenswerte Einwohner, umgeben von Bergen.

In Monstein, wo sich nicht einmal mehr Fuchs und Hase gute Nacht sagen, weil sie vor lauter Einsamkeit ausgewandert sind, schäumt wieder pure Lebensfreude über in Form von Monsteiner Bier. Bevor allerdings das Monsteiner Wasser in Bier verwandelt werden konnte, mussten 1.3 Millionen Franken beschafft werden. Ein ehrgeiziges und nicht einfaches Unterfangen. Kaum war aber bekannt, dass irgendwo ganz hinten in der Landschaft Davos eine Brauerei entstehen werden könnte, meldeten sich Leute aus der ganzen Welt, von China bis Amerika, von Schweden bis Afrika. Heute beherbergt das kleine Monstein eine Aktiengesellschaft mit 600 Aktionären aus der ganzen Welt, dessen Aktienkapital sich zu 100 % über Eigenkapital finanziert. Nebst der jährlich stattfindenden dreitägigen Aktionärsversammlung bietet die BierVision Monstein AG ihren Aktionären eine garantierte Naturaldividende von 2 Liter Monsteiner Bier an. Eine Investition, bei der man im doppelten Sinn gut schläft. Erstens wegen dem Bier und zweitens wegen dem stabilen Wert der Aktien. Die Besichtigung führt vorbei an Sudhaus, Gärbottichen, Lagertanks, Abfüllanlagen, Vorratskammer für Malz und Hopfen und endet - unterbrochen von Bierstopps - im Keller.

  

 

Die Brauer und ihre Freunde brauen nicht nur Bier auf natürlichste Weise (der Gährungsprozess dauert ca. 2 Monate und für 1 Liter Bier werden 5 Liter Wasser benötigt), sie haben weitere Ziele: " Wir wollen einem sanften Tourismus auf die Beine helfen, Arbeitsplätze schaffen und uns auf die nachhaltigen Werte der Landschaft Davos besinnen". Das ist den Initianten gelungen. Die Menschen tragen das Monsteiner Bier, Brauer-Chäs, den Monsteiner Brauerspeck, den Monsteiner Wätterguoge-Bierbrand und das Biertreber-Brot in die ganze Welt. Der Brauer-Chäs wurde übrigens als innovativstes Landwirtschaftsprodukt und der Bierbrand mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Schauen Sie doch mal ins Internet, unter http://www.biervision-monstein.ch/ erfahren sie mehr. Angekommen im tiefen Keller, wo vor hundert Jahren Käse lagerte, haben die Brauer eine Art permanentes Oktoberfest eingerichtet und lassen die Bündner Bierkultur hochleben: einen grossen runden Tisch, aber keine Bänke oder Stühle. Stehend und im Angesicht der engen, steilen Treppe merkt man am ehesten, wann es genug ist. Danach begeben wir uns ins nahe Restaurant Ducan und nach einem gemütlichen Essen geht ein lehrreicher und fröhlicher Anlass viel zu schnell vorbei.

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